Wider die Monogamie

von Peter Becker am 20.12.2010 um 18:22
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Peter Becker über die Tragikomödie "Drei"

Tom Tykwer zählt zu den wenigen deutschen Regisseuren, die nicht nur eingefleischten Kinofans ein Begriff sind. Sein Kinohit „Lola rennt“ mit Franka Potente machte den gebürtigen Wuppertaler vor zwölf Jahren schlagartig bekannt. Seitdem hat Tykwer auch internationale Kinoerfolge gefeiert, etwa mit der Literaturverfilmung „Das Parfum“ und dem Hollywood-Thriller „The International“. Mit der Tragikomödie „Drei“ hat Tykwer jetzt nach gut zehn Jahren wieder einen Film in seiner Muttersprache inszeniert – und auch das Drehbuch geschrieben.

Die Geschichte handelt von Hanna und Simon. Seit zwanzig Jahren sind die beiden ein Paar. Sie lieben sich, doch das große romantische Knistern ist vorbei, Sex eher die Ausnahe als die Regel. Da lernt Hanna Adam kennen und beginnt eine Affäre. Doch kurze Zeit verliebt sich auch Simon in Adam. Weder Hanna noch Simon ahnen etwas von der Affäre des anderen.

Ein Film für kalte Tage

Leicht hätte diese Geschichte dialoglastig, gedankenschwer und bierernst daneben gehen können. Tom Tykwer hat dagegen das Skurrile dieser Dreiecksbeziehung herausgearbeitet und so darf, trotz aller Tragik und ernsten Töne, die der Film enthält, auch laut gelacht werden.

Peter BeckerSophie Rois als Hanna, Sebastian Schipper als Simon und Devid Strisow als Adam bringen dabei die Situationskomik wie auch die ernsten Töne hervorragend rüber. Eine Bremer Kinobesucherin sagte nach der Präsentation des Films durch Tom Tykwer (mehr dazu hier), der Film wärme das Herz in diesen kalten Tagen. Ob das auch die anderen Kinogänger so sehen und der Film ein Hit wird, zeigt sich ab kommendem Donnerstag. Verdient hätte es „Drei“ auf jeden Fall.

Peter Becker
Reporter Guten Abend RTL
für Niedersachsen und Bremen




Neuer Ansatz für eine alte Legende

von Peter Becker am 18.05.2010 um 14:24
Robin Hood
"Robin Hood“ von Ridley Scott mit Russell Crowe, Cate Blanchett, Mark Strong, Max von Sydow

Eine Filmkritik von Peter Becker

Nach den überwiegend negativen Kritiken, die diese neueste “Robin Hood”-Variante erhalten hat, war ich doch recht skeptisch, ob es tatsächlich einer weiteren Version bedarf. Immerhin ist die Geschichte des Rächers der Enterbten seit 1908 bereits rund 30mal verfilmt worden. Von Kevin Costner als „König der Diebe“ über einen Disney-Klassiker bis zu hin Mel Brooks` „Helden in Strumpfhosen“. Hat diese neue 130-Millionen-Dollar-Produktion von Regie-Veteran Ridley Scott also dennoch ihre Dasein-Berechtigung?


Robin HoodKurz und knapp: Sie hat. Und zwar vor allem weil Drehbuchautor Brian Helgeland einen neuen Ansatz der alten Legende gefunden hat und weil Russell Crowe nach langer Zeit endlich wieder voll und ganz in einer Rolle überzeugt. Zu oft hatte Crowe in letzter Zeit in seinen Filmen seltsam teilnahmslos gewirkt. Im Grunde ist seine Rolle zwar nur eine Neuauflage des Legionärs Maximus aus dem Mega-Hit „Gladiator“ - ebenfalls von Ridely Scott inszeniert - doch in diesen blutig-dreckigen Schlachtenepen scheint Russell Crowe einfach ganz in seinem Element.

Die Handlung setzt lange vor Robin Hoods Einzug in den Sherwood Forrest ein – zur Zeit der Kreuzzüge. Zunächst erfahren wir, dass dieser Robin Hood eigentlich gar nicht Robin Hood ist. Denn das war bislang ja immer Robin von Loxley. Hier ist Robin aber nur ein einfacher Bogenschütze in der Armee von König Richard Löwenherz. Als der echte Ritter von Loxley einem Mordanschlag zum Opfer fällt, nimmt Robin Longstride dessen Identität an, um seine Haut zu retten und um sicher nach England zurückzukehren. Das ist zunächst einmal wenig heldenhaft, doch zu wahrem Heldentum hat Robin dann doch bald die Gelegenheit: Weil die Staatskasse als Folge der Kreuzzüge leer sind, lässt Richard Löwenherz` Bruder Prinz John seinem Volk kaum noch etwas zum Leben. Zeit für Robin Hood, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben. Da wären wir jetzt doch wieder bei der altbekannten Geschichte, wenn diese nicht durch eine Intrige des rücksichtslos-brutalen Sir Godfrey (Mark Strong als eigentlicher Haupt-Schurke des Films) neuen Schwung erhielte.

Handgemachte Action

Robin Hood Ungemein spannend ist zwar auch das nicht, doch dafür entwickelt „Robin Hood“ im Mittelteil, sobald Lady Marion ins Spiel kommt, eine Leichtigkeit mit Ansätzen von Romantik und Humor, die ich nach dem düsteren Anfang so kaum noch erwartet hätte. Cate Blanchett und Russell Crowe funktionieren als Paar, das ganz allmählich seine Gefühle füreinander entdeckt. Doch bevor es kitschig werden könnte, steuert Regisseur Scott langsam aber sicher auf das actionreiche Finale zu. Und spätestens hier sind die Ähnlichkeiten zu Scotts früheren Werken „Gladiator“ und „Königreich der Himmel“ unübersehbar. Was die Schlachten dennoch sehenswert macht, ist, dass hier entgegen dem allgemeinen Trend weitestgehend auf Computereffekte verzichtet wurde und die Action endlich mal wieder „handgemacht“ wirkt. Es braucht auch nicht eine Armee, die mittels Computer zu unglaubwürdiger Größe anschwillt wie in Wolfgang Petersens „Troja“.

Am Ende ist „Robin Hood“ zwar nicht der ganz große Wurf, aber trotz seiner 148 Minuten recht kurzweilige Unterhaltung mit durchweg überzeugenden Darstellern, schönen Bildern, Liebe für historische Details und einem gefälligen Soundtrack. Das Bremer Publikum blieb übrigens bis zum Ende des Abspanns im Kinosaal sitzen und nicht etwa, weil es eingeschlafen wäre.

Peter Becker Ihr Peter Becker
Reporter Guten Abend RTL
für Niedersachsen und Bremen

Mehr zum Film:
Trailer zu Robin Hood
Offizielle Homepage

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